Sonnenuntergang Gut Immling
Judith Regel
10.06.2026

Bald geht es los…

Christiane Berker
Christiane Berker

Bald geht es los…

Liebe Freundinnen und Freunde des Immling Festivals,

wenn Sie 2024 schon dabei waren, erinnern Sie sich vielleicht – da habe ich eine Reihe von Beiträgen über das Festival verteilt geschrieben, die wohl auch ganz gern gelesen wurden. Ich, das ist Christiane Berker, gebürtige Namibianerin, inzwischen seit 2019 ansässig in Breitbrunn am schönen Chiemsee und Immling nach wie vor sehr verbunden. Im letzten Jahr passierte dann das, was man so „Leben“ nennt und ich konnte Immling leider keine Beitragszusage machen. Aber zum 30-Jährigen habe ich mich dann bereit erklärt, noch einmal die Feder (oder die Tastatur) zu schwingen und ein paar Beiträge beizusteuern. Auch diesmal geht es um meine ganz persönlichen Eindrücke, Betrachtungen und Gedanken – ich hoffe, Sie haben ein wenig Spaß dabei!

Kenne Sie das auch? Sie mögen Oper – aber es gehört nicht zu den täglichen Dingen, mit denen Sie sich beschäftigen. Das „Tosca“, Lucia di Lammermoor“, „Die Zauberflöte“ und „Un Ballo in Maschera“ Opern sind, wissen Sie natürlich, Und Sie können auch die Komponisten zuordnen – aber spätestens beim „Maschera“ wird es vielleicht schon mit der Aussprache schwierig.

Mir geht das so, und ich stehe auch dazu! Ich bin in Südwestafrika, heute Namibia, geboren und aufgewachsen. Meine Mutter kam aus Fürth, mein Vater hatte dort immer schon gelebt, und was die Kultur anging – naja. Es gab eine Kunstvereinigung und es gab ein Orchester, natürlich alles Laien, aber für Oper fehlten nicht nur die Sänger:innen. 

Im Alter von sechs Jahren (ich hatte gerade Lesen gelernt) nahm mich mein Vater bei der Hand, setzte mich im Wohnzimmer auf das Sofa, drückte mir ein großes, unhandliches „Heft“ in die Hand und stellte den Plattenspieler an, dann ging er hinaus. 

„Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?
Die Gänse gehen barfuss und haben kein Schuh
Der Schuster hat's Leder, kein Leisten dazu,
drum kann er den Gänslein auch machen kein'…“

Erkennen Sie es? So beginnt „Hänsel und Gretel“, meine allererste Oper. Mit zehn Jahren sah ich dann auf einer Urlaubsreise zur Großmutter in München „Die Zauberflöte“. Und verlor mein Herz an die Oper. Es gab keine Videos, keine DVDs, kein IPhone oder so, kein YouTube, mein Vater importierte für viel Geld Schallplatten aus Europa, darunter Opern, Konzerte, Sinfonien, aber auch Sprechtheater; jeden Sonntag zum Frühstück wurde etwas Neues aufgelegt und Klassische Musik gehörte zu meinem Leben.

Bei jedem Deutschland-Urlaub gab es mindestens eine Opernaufführung, als ich später in München studierte, durfte ich über Freunde auch die Oper in Salzburg besuchen. Und als ich 2019 nach Deutschland zog, hatte ich bereits seit drei Jahren Kontakt zu Maestra von Kerssenbrock, also war das Immling Festival ab da eine feste Größe in jedem Sommer.

Und jetzt steht das 30-jährige Jubiläum an! Mancher mag abwinken – was sind schon 30 Jahre? Aber wenn 30 Jahre ein Lebenswerk umspannen, von einem Mann ersonnen und dann von seiner Frau mitgetragen, dann ist das schon eine gewaltige Zahl! Die Statistiken überlasse ich hier anderen, ich melde mich bei Ihnen als einfache Zuschauerin zu Wort, die sich einfach auf ein tolles Programm freut – und Sie, liebe Mit-Zuschauer:innen, bei meinen „Vorbereitungen“ einmal mitnehmen möchte.

Was für ein Programm! Ich weiß gar nicht, worüber ich mich zuerst freuen soll… Mal ganz abgesehen von vier tollen Opern gibt es das Verdi Requiem und, fast wie zum Ausgleich, Beethovens 9. Symphonie mit der berühmten „Ode an die Freude“. Können Sie sich noch an die legendäre Aufführung in Ost-Berlin? Am Weihnachtstag 1989 setzte Leonard Bernstein im Ost-Berliner Schauspielhaus dem Mauerfall ein musikalisches Denkmal. Und die „Ode „ dichtete er kurzerhand um in „Ode an die Freiheit“., die Symphoniker des Bayerischen Rundfunks wurden mit Orchestermusikern aus Paris, London, New York und Leningrad erweitert – alle Länder der alliierten Kriegsmächte gegen Hitler-Deutschland waren vertreten.

Und wie immer in Immling gibt es auch wieder ein tolles Musical, „Cats“ wird geboten  und ich durfte schon bei der Benefiz-Vorpremiere einen Blick auf das schwungvolle Ensemble und die tollen Kostüme werfen, also ein weiteres MUSS. Zum Jubiläum ist auch Peter Breuer wieder mit von der Partie, nach seinem Ballett „Coco Chanell“ geht es diesmal um einen Nachruf auf Michael Jackson, ein weiteres Muss. Und wenn Sie sich sagen „Oper, ja gern, aber das neumodische Zeugs muss jetzt nicht unbedingt sein“, dann bedenken Sie einfach, dass auch „Tosca“, „Lucia“, „Ballo“ und Zauberflöte“ mal neumodisches Zeugs waren und inzwischen Klassiker sind – wie eben „Cats“ und „Moonwalk“. 

Außerdem ist ja auch die leichte Muse gut vertreten, ob Sie nun in Operettenmelodien schwelgen oder sich dem immer zuerst ausverkauften „O Sole Mio“ der wunderbaren Tenöre widmen wollen; selbst wer auf „Buena Vista Social Club“ sprich kubanische und lateinamerikanische Rhythmen setzt, kommt in diesem Jahr nicht zu kurz. Ich hoffe, Sie haben sich den Sommer freigehalten….

Ich werde Sie ein bisschen „vorbereiten“ – selbst ausgefuchste Opernkenner wissen nicht alles – und was ich so an kleinen Schmankerln zu den jeweiligen Opern und Konzerten finde, teile ich gern mit Ihnen. So kann ich die Blöße, dass ich den Maskenball noch nie gesehen habe, kaschieren mit ein paar Kuriositäten, die alle „Kenner:innen“ hoffentlich ein bisschen verblüffen.

Ich freue mich darauf, Sie wieder auf unserem Immlinger Hügel zu sehen, lassen Sie uns unseren Beitrag leisten und das Festival für alle Beteiligten zu einem unvergesslichen Erlebnis machen – am meisten profitieren ja sowieso wir Zuschauer:innen davon!

In diesem Sinne: Auf in die neue Festival-Saison mit dem besonderen Touch

Ihre Christiane Berker