Rückblick auf die Jahre 1999/1998/1997

3,2,1… Festival!

Es ist soweit, heute gibt es den letzten Jubiläumscountdown! Seit Anfang des Jahres sind wir durch 25 Jahre Kulturgeschichte Immling gestreift und haben uns zahlreiche Produktionen näher angeschaut. Wir haben literarische Vorlagen besprochen, historische Diskurse näher betrachtet und Kunstwerke der Geschichte analysiert. Heute schauen wir zurück auf die Anfänge des Immling Festivals und sprechen mit Intendanten Ludwig Baumann über die allererste Aufführung auf Gut Immling.

Zurück zu den Anfängen

Wie viele von ihnen vielleicht wissen, entstand das Immling Festival eigentlich ganz zufällig im Jahre 1997. Unser heutiger Intendant wollte damals „Die Zauberflöte“ mit verschiedenen ansässigen Chören auf einer Seebühne aufführen. Doch das Wetter wollte es anders. Schwere Regenschauer und Gewitter ließen „die Bühne absaufen“, so wie es Ludwig Baumann beschreibt. Die einzelnen kleinen Boote, mit denen die Hauptfiguren auftreten sollten und die in liebevollster Handarbeit gebaut worden waren, waren mit Wasser gefüllt. Schnell musste eine Lösung her: Die Reithalle von Immling. 5 Mal wurde die Oper in der Halle aufgeführt. Für die letzte Aufführung wollte Ludwig Baumann jedoch wieder auf der Seebühne spielen: „Wenigstens einmal wollten wir die Zauberflöte so zeigen, wie wir sie uns gedacht haben. Wir dachten ja sowieso, da kommt keiner mehr!“

Ganz so war es dann jedoch nicht. Zu dieser letzten Aufführung kamen über 3500 ZuschauerInnen. „Wir hatten keine Möglichkeit mehr, Tickets zu kontrollieren. Irgendwann haben wir einfach beschlossen, alle zusehen zu lassen, die wollten. Auch wenn es natürlich viel zu wenig Stühle gab. Die Menschen setzten sich einfach am Seeufer ins Gras.“

Chiemgauer Musikfestival auf Gut Immling

Nach dieser phänomenalen letzten Aufführung dachte Ludwig Baumann jedoch gar nicht daran, ein Festival aufzubauen. „Nein, das war überhaupt nicht der Plan. Doch im Laufe des nächsten Jahres kamen immer mehr Menschen auf mich zu und fragten, ob man nicht wieder soetwas machen könnte. Irgendwann habe ich mich dann überreden lassen.“ Und so wurde 1998 das „Chiemgauer Musikfestival auf Gut Immling“ veranstaltet, das vom 24. Juli bis zum 02. August stattfand. Auf dem Programm stand „Der Freischütz“ unter der Regie von Ludwig Baumann, „Der Barbier von Sevilla“ unter der Regie von Toni Müller und weitere Veranstaltungen wie einen Volksmusik-Tag, ein Operettenkonzert, ein Familientag und ein Schlagerabend mit Trini Lopez. Auch bei dieser Saison war die Nachfrage so groß, dass Ludwig Baumann beschloss, 1999 doch nochmal ein Festival zu veranstalten.

“La bohème”, “Die Fledermaus”, Konstantin Wecker und ein Opernball

Auf dem Programm stand dieses Mal „La bohème“ inszeniert von Ludwig Baumann und „Die Fledermaus“ inszeniert von Zdenko von Koschak. Schon damals wurden die Opernproduktionen mit Liederabenden und Gastspielen (u.a. Konstantin Wecker, Ringsgwandl, Joan Orleans) ergänzt. Zusätzlich wurde der erste Opernball auf dem Marktplatz in Rosenheim organisiert.

Große Oper mitten auf dem Land – geht das überhaupt?

Wir möchten diesen letzten Jubiläumscountdown mit den Worten schließen, mit denen unser Intendant vor über 20 Jahren das Publikum zum Immling Festival im Jahre 1999 begrüßt hat. Sie sind heute noch genauso aktuell wie damals:

„Liebe Besucher des Chiemgauer Opernsommers,

es gibt Bildhauer, die müssen jedes Material bearbeiten, Maler, die jede Fläche, jeden Untergrund inspirierend finden und für ihre Kunst benutzen möchten. Ich entdecke ­ vor allem in meiner allernächsten Umgebung ­ immer wieder Plätze, an denen ich Oper aufführen möchte ­ und Immling ist mein Traumplatz geworden. […]

„Große Oper mitten auf dem Land ­ – geht das überhaupt?“ werde ich immer wieder gefragt. Es geht sogar sehr gut! Das Chiemgau besitzt eine bodenständige und dauerhafte Kultur. Die vorurteilsfreie Begeisterung vieler, die vorher fast oder gar nichts mit der Kunstform Oper zu tun gehabt hatten, besonders jedoch ihre Bereitschaft, sich bei ihrer Mitarbeit künstlerisch sensibilisieren zu lassen, schaffte die beste Voraussetzung für unseren gemeinsamen Erfolg. […] Mein besonderer Dank gilt aber den vielen Helfern und Mitstreitern aus der Umgebung, ohne die ein solcher Standard, eine solche Qualität, wie wir sie erreicht haben, niemals zu realisieren gewesen wäre. Der Chiemgauer Opernsommer lebt auch in Zukunft von der Begeisterung und der Hilfe vieler Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Wenn nach der Vorstellung alle ­ Solisten und Chorsänger, Musiker, Bühnentechniker, Beleuchter und vor allem Zuschauer ­ im Restaurant-Zelt zusammensitzen und ihre Begeisterung austauschen, feiern, weitersingen und weitermusizieren, dann ist eine einzigartige Gemeinschaft und Gemeinsamkeit entstanden. Dann zeigt sich, dass Oper noch immer und immer wieder ein beständiger Bestandteil unserer Kultur ist, der die Menschen zusammenführt und ins Gespräch miteinander bringt. Genau das macht unsere Festspiele auf Gut Immling aus.“